Was Babys brauchen

Bedürfnisse Neugeborene: Was braucht ein Baby wirklich, damit es ihm gut geht?

Die Grundbedürfnisse deines Kindes lassen sich in sechs Kategorien einteilen:

Physiologische Bedürfnisse: Nahrung, Schutz vor Kälte und Hitze, frische Luft.
Bindung: Das Bedürfnis nach Nähe und emotionaler Verbindung.
Exploration: Die Neugierde und der Wunsch, die Welt zu erforschen.
Wahrnehmung mit allen Sinnen: Babys möchten die Welt mit allen Sinnen erleben.
Selbstwirksamkeit: Das Bedürfnis, Dinge selbst zu tun und ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln.
Vermeidung von unangenehmen Reizen: Schutz vor Schmerzen und unangenehmen Reizen.

Was brauchen Babys immer?

Natürlich gibt es in der Liste der Bedürfnisse einige, die dringender sind als andere, weil dein Baby ohne die Erfüllung dieser Bedürfnisse nicht überleben könnte. Hierzu zählen vor allem die physiologischen Bedürfnisse wie Nahrung, Schutz, Schlaf, aber auch Bindung. Andere Bedürfnisse wie Exploration oder die Selbstwirksamkeit sind zwar nicht so wichtig, wenn es um das reine Überleben geht, für eine gesunde Entwicklung müssen sie aber genauso erfüllt sein.

Physiologische Bedürfnisse von Babys

Hier geht es um die rein körperlichen Bedürfnisse. Natürlich braucht dein Baby Nahrung, also zu Beginn entsprechend Muttermilch oder Pre-Milch und später anderes, altersangemessenes Essen und Trinken. Darüber hinaus braucht es Schutz vor Umwelteinflüssen wie Hitze oder Kälte, frische Luft, Sauberkeit (Abhalten oder regelmäßig eine frische Windel) und natürlich Schlaf.

Jedes Kind braucht Bindung

Babys sind darauf ausgelegt, sich nach der Geburt an jemanden zu binden, der die grundlegenden Bedürfnisse schnell, zuverlässig und einfühlsam erkennt und befriedigt. In den meisten Fällen nimmt diese Rolle die Mutter ein. An ihre Stelle kann aber auch jede andere beliebige Person treten, die die Bedürfnisse des Babys erfüllt, denn hier geht es nicht um genetische Verwandtschaft. Auch Pflege- oder Adoptiveltern können diese Bindung aufbauen.

Gerade in den ersten Tagen spielt es für das Baby eine eher untergeordnete Rolle, wer sich kümmert, solange sich überhaupt jemand kümmert. Erst mit der Zeit wird die Bindung spezifisch und zielt auf konkrete Personen ab. Vielleicht ist dies eine beruhigende Nachricht für dich, denn es heißt auch, dass eine Trennung unmittelbar nach der Geburt, wie sie leider manche Mütter und Babys erleben, nicht die Macht hat, eure Bindung unwiderruflich zu zerstören.

Exploration: Neugierde treibt Babys an

Wir Menschen sind von Natur aus neugierig. Wir haben das Bedürfnis, die Welt um uns herum zu erforschen und dies ist der Motor für jegliche Entwicklung. In einer sehr reizarmen Umgebung verkümmern unsere Synapsen. Wenn dein Baby die ganze Zeit nur eine weiße Wand anstarren müsste, könnte es sein Bedürfnis nach Exploration nicht ausleben und würde auch nichts dazulernen. Es sehnt sich danach, sein Umfeld zu beobachten, Dinge auszuprobieren und nachzuahmen.

Bindung vs. Exploration

Spannend ist, dass sich gerade bei kleinen Kindern das Bedürfnis nach Bindung und das Bedürfnis nach Exploration abwechseln. Stell dir eine Wippe vor. Ist der “Bindungstank” deines Babys leer, geht diese Seite der Wippe nach oben – es hat nun keine Kapazitäten, die Welt zu erkunden, sondern will kuscheln oder an die Brust. Ist der Bindungstank dagegen gut gefüllt, sinkt diese Seite der Wippe nach unten und die Seite der Exploration steigt auf; dein Baby geht auf Erkundungstour. Konzentriert beobachtet es seine eigenen Hände, räumt die Schublade in der Küche aus oder erforscht den Sand im Sandkasten – bis der Bindungstank wieder leer ist und bei einer engen Bezugsperson wieder aufgefüllt werden muss.

Wahrnehmung mit allen Sinnen

Eng verbunden mit dem Erkundungsdrang ist das Bedürfnis, die Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Dein Baby will hören, sehen, fühlen, schmecken und tasten, also die Umwelt mit all seinen Sinnen erfahren. Sobald es motorisch dazu bereit ist, steckt dein Baby sich alles in den Mund, greift nach den Gegenständen in Reichweite und untersucht sie.

Ganzheitliches Lernen

Wir alle haben die Erfahrung gemacht, dass wir neue Informationen am besten lernen, wenn wir sie mit mehreren Sinnen erfahren, sie nicht nur hören oder lesen, sondern sie im wahrsten Sinne des Wortes mit dem ganzen Körper begreifen. So geht es auch unseren Babys und je mehr Sinne stimuliert werden, desto besser die neuronale Vernetzung im Gehirn und die kognitive Entwicklung.

Im Gegenzug lässt sich bei verwahrlosten Kindern, mit denen kaum gesprochen wird und die nur sehr wenigen unterschiedlichen Reizen ausgesetzt sind, gut feststellen, wie sehr dies die Entwicklung verzögert, weil die Sinne nicht ausreichend angeregt werden.

Dein Alltag ist genug!

Bevor du jetzt denkst, du müsstest dein Kind unendlich vielen Reizen aussetzen, um seine kognitive Entwicklung sicherzustellen, lass mich dir sagen, dass dein Alltag vollkommen ausreicht. Sprich mit deinem Baby und lass es deinen Alltag miterleben – er bietet von sich aus schon reichlich Anregungen.

Vermeidung von unangenehmen Reizen

Schon im Mutterleib zeigt sich, dass selbst ungeborene Babys bereits unangenehme Reize vermeiden können, indem sie sich beispielsweise beim Ultraschall wegdrehen. Auch Neugeborene brauchen Schutz vor Kälte, Hitze, grellem Licht und Schmerzen und haben verschiedene Möglichkeiten, unangenehme Reize zu vermeiden. Sie können den Kopf wegdrehen, sich nach hinten überstrecken oder versuchen, sich die Arme vor die Ohren zu halten. Das Schreien ist eine der eindringlichsten Möglichkeiten, um auf unangenehme Reize aufmerksam zu machen.

Dieses Verhalten zeigt, dass bereits Babys über erstaunliche Kompetenzen verfügen, um auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Unser Job als Eltern ist es, einfühlsam auf die Bedürfnisse und Signale des Babys zu reagieren. Ihm eine Schicht Kleidung auszuziehen, wenn es schwitzt, oder es zu trösten, wenn es Schmerzen hat oder eine ärztliche Behandlung über sich ergehen lassen muss. Denn nicht immer lassen sich unangenehme Reize verhindern, du kannst dein Baby aber durch die Situation hindurch begleiten, um den körperlichen und emotionalen Stress zu minimieren, den eine solche Situation auslöst.

Bedürfnisse von Kindern

Nun hast du die sechs Grundbedürfnisse deines Babys kennengelernt. Tatsächlich ändert sich an diesen Bedürfnissen im Laufe der Kindheit nicht viel und du kannst die Informationen genauso auf dein Kleinkind, dein heranwachsendes Kind und deine:n Teenager:in anwenden. Selbst als Erwachsene haben wir noch dieselben Bedürfnisse, die erfüllt sein müssen, um ein glückliches und gesundes Leben zu führen.

Woher weiß ich, ob mein Baby glücklich ist?

Die sechs Grundbedürfnisse deines Babys zu erfüllen, ist die Voraussetzung für seine gesunde körperliche, seelische und geistige Entwicklung. Am wichtigsten dabei ist aber: Genauso wie in deinem Baby ein genetisches Programm abläuft, startet bei uns Erwachsenen ein Fürsorge-Programm, wenn wir für ein Baby verantwortlich sind. Viele der Bedürfnisse wirst du daher ganz automatisch schon von selbst erfüllen.

Selbstwirksamkeit: Die Macht, etwas zu verändern

Selbstwirksamkeit ist ein entscheidendes Bedürfnis in der kindlichen Entwicklung. Babys und Kinder haben einen unbändigen Drang, Dinge eigenständig zu tun – besonders bewusst wird uns das während der Autonomie-Phase, in der Kinder plötzlich alles selbst erledigen wollen. Obwohl es Eltern manchmal vor Herausforderungen stellt, ist das Erfahren von Selbstwirksamkeit entscheidend, um das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken.

Selbst bei ganz kleinen Babys kannst du schon darauf achten. Wenn dein Baby weint und du reagierst angemessen darauf, macht es die Erfahrung, dass es sich mitteilen und dadurch zur Verbesserung der Situation beitragen kann. Wenn du es spiegelst, während es Laute macht, fühlt es sich gehört. Wenn es versucht, einen Gegenstand zu erreichen, kannst du ihm – unter Berücksichtigung seiner Frustrationstoleranz – die Gelegenheit geben, ihn eigenständig zu erreichen.

Selbstwirksamkeit macht dein Baby glücklich

Kinder, die nur wenig selbst machen dürfen – teils sogar aus guter Absicht, um das Kind zu schützen oder ihm seine Liebe zu zeigen – machen permanent die Erfahrung, dass sie nichts alleine können, fühlen sich zu schwach, zu langsam, ja sogar zu dumm. Diese Kinder sind nicht nur für alles auf Hilfe angewiesen, sie leiden auch unter den negativen Glaubenssätzen, die dadurch entstehen und weitreichende psychische Folgen haben können.

Im Gegensatz dazu entwickeln Kinder, die sich ausprobieren dürfen und so erfahren, was sie alles bewirken können, in der Regel viel Selbstsicherheit und ein starkes Selbstvertrauen. Maria Montessori hat den Satz “Hilf mir, es selbst zu tun.” geprägt, der in diesem Zusammenhang sehr gut passt.